v Bibliothek der Kulturen
Berichte/Presse

«O Café em Português» in der Bibliothek der Kulturen Frauenfeld

 

In der Bibliothek der Kulturen in Frauenfeld werden seit mehreren Jahren Sprachcafés für Deutsch und andere Sprachen angeboten. In diesem Rahmen können sich interessierte Personen in der Zielsprache unterhalten, ihren Wortschatz erweitern und sich über landeskundliche Themen austauschen. Seit diesem Jahr gibt es auch ein Sprachcafé für Portugiesisch. Zwei Moderatorinnen – beide ursprünglich Brasilianerinnen – organisieren einmal monatlich jeweils am Montagabend ein Treffen für Portugiesischsprachige und – lernende. Wie alle Moderatorinnen der Frauenfelder Sprachcafés engagieren sie sich ehrenamtlich. Das Portugiesisch-Café ist einzigartig in der Schweizer Bibliothekslandschaft! Zurzeit bietet keine andere interkulturelle Bibliothek ein Sprachtreffen auf Portugiesisch an.

 

Was bietet das Portugiesisch-Café? Hier ein Beispiel:

An diesem Montagabend Anfang Juni sind die Moderatorinnen Maria Janotta und Herly Grutschnig eine Dreiviertelstunde vor Beginn des «O Café em Português» in der Bibliothek. Sie bereiten alles vor, rücken Tische und Stühle zurecht, stellen mitgebrachte Leckerbissen bereit, checken, ob das iPad funktioniert. Eine Freundin der beiden Leiterinnen – sie ist Lehrerin für Portugiesisch im HSK-Unterricht und in der Migros-Klubschule – leistet ihnen Gesellschaft und freut sich darauf, mitzuhelfen. Nach und nach treffen die Besucherinnen und Besucher ein. Heute sind es vier Teilnehmende. Drei von ihnen haben längere Zeit in Brasilien gelebt und sind von der Möglichkeit begeistert, ihre Sprachkenntnisse in dieser Gruppe anwenden zu können. Der vierte Teilnehmer besucht einen Portugiesisch-Sprachkurs. In einer ausführlichen Vorstellungsrunde haben alle die Gelegenheit, zu erzählen, welchen Bezug sie zur portugiesischen bzw. brasilianischen Sprache und Kultur haben. Das heutige Thema ist Musik. Zuerst stellen die Moderatorinnen zwei Lieder vor, ein brasilianisches – das bekannte «Garota de Ipanema» von Vinicius de Moraes – und ein portugiesisches aus der Tradition des Fado, «Lisboa Menina e Moça». Zuerst werden die Lieder auf dem iPad abgespielt. Wunderschöne Bilder aus Brasilien und aus Lissabon in Portugal begleiten den Gesang. Ein höchst emotionales Erlebnis! Die Texte zu den Liedern liegen den Teilnehmenden als Kopien vor. Die Moderatorinnen regen an, die Texte genauer anzuschauen. Der Text über Lissabon etwa ist voller bildhafter Vergleiche, derjenige aus Brasilien zeichnet sich durch klangliche Schönheit der Sprache aus. Eine spannende Diskussion beginnt, angeregt durch die Moderatorinnen: wo liegen die Unterschiede zwischen Brasilianisch und Portugiesisch? Welche Wörter werden anders ausgesprochen? Welche Sprachklänge sind auffallend? Herly und Maria haben sich als Vorbereitung auf diesen Abend auch gut über den Fado informiert und dazu auch einen Bildband mitgebracht. Der Fado ist ein portugiesischer Musikstil, der in Lissabon und Coimbra entstanden ist. Die Lieder in der Tradition des Fado sind traurig, voller Sehnsucht, handeln von unglücklicher Liebe und beinhalten immer auch eine politische Botschaft, wenn in ihnen etwa soziale Missstände angeprangert werden. In der Diskussion wird der Fado auch mit der brasilianischen Liedertradition verglichen, die viel fröhlicher ist. 2 Die feinen Süssigkeiten, die nun von den Teilnehmenden gekostet werden, stammen ebenfalls aus beiden Ländern: Pastéis de Nata aus Portugal und Paçoca de amendoim aus Brasilien. «O Café em Português» bietet einen Abend voller interessanter Informationen, mit der Möglichkeit, Portugiesisch/Brasilianisch nicht nur zu sprechen, sondern auch die dazugehörigen Kulturräume zu kennenzulernen, zu reflektieren und diskutieren, und natürlich zu geniessen.

 

September 2017, Therese Salzmann, Interbiblio

 

 

Die Moderatorinnen; im Vordergrund portugiesische Pastèis de Nata

 

Bücher über den Sänger Vinicius de Moraes (Garota de Ipanema)

 

Brasilianische Paçoca de amendoim

Bibliothek der Kulturen

Zürcherstrasse 64

8500 Frauenfeld

Telefon 052 721 28 91

(nur während der Öffnungszeiten)

 

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